Grenzwertige Schadstoffdebatte

Bild oben: Verwaiste Stromtankstellen in der unterfränkischen Provinz.

Deutschland diskutiert mal wieder am Thema vorbei und alle machen enthusiastisch mit. Nachdem in der Fahrverbots- und Grenzwertdebatte zuletzt die Ökofraktion mit ihrer klagefreudigen Speerspitze „Deutsche Umwelthilfe“ den Diskurs bestimmt hat, sorgte jüngst ein „Positionspapier“ von über 100 Fachärzten für Aufsehen. Die Mediziner, deren primäre Aufgabe es eigentlich ist, menschliches Leben unmittelbar zu schützen und nicht von Fahrverboten „bedrohte“ Dieselfahrer, wiesen darauf hin, dass die Interpretation einschlägiger Studien zur Gesundheitsschädigung von Stickoxiden und Feinstaub fragwürdig sei und man deshalb nicht unbedingt eine Kausalität zwischen der Nichteinhaltung von Grenzwerten und vorzeitigen Todesfällen herstellen könne.

Retter der Wissenschaft oder Spin-Doctors

So richtig der Hinweis wissenschaftlich auch sein mag, aber welche Intention verfolgt das sogenannte „Positionspapier“? Und was veranlasst die Mediziner überhaupt, hier Position zu beziehen? Natürlich darf man wissenschaftlich hinterfragen, ob es tatsächlich zu so vielen zusätzlichen Sterbefällen durch Verkehrsabgase in Innenstädten kommt. Aber genauso darf man auch hinterfragen, welche Leben damit gerettet oder wessen Lebensqualität verbessert wird durch die vermeintlichen Klarstellungen dieser seltsamen Ärzte-Hundertschaft!? Zumal aus berufenem Munde umgehend Widerspruch kam. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde, diese Veröffentlichung zu diesem Zeitpunkt aus diesen verdächtig unverdächtigen weißkitteligen Kreisen hat ein Geschmäckle.

Und ganz abgesehen davon geht die Diskussion wie eingangs erwähnt am Thema vorbei. Denn wir müssen und dürfen uns nicht dauerhaft im Klein-Klein der Grenzwertdiskussion verheddern, sondern vielmehr die Verkehrswende schnellstmöglich voranbringen. Also das große Ganze. Und das schafft man gewiss nicht, in dem man über Themen mit begrenzter Wirkkraft diskutiert wie etwa generelle Tempolimits auf Autobahnen oder eben über Grenzwerte irgendwelcher Mikropartikel.

Um es ganz deutlich zu sagen: Emissionsfreie Elektrofahrzeuge sowie emissionsarme Hybriden müssen ganz schnell den Verbrenner ersetzen. Während Deutschland sich über die künstliche Verlangsamung von Mobilität mit begrenztem Klimaschutzeffekt (Tempolimit) um Kopf und Kragen redet, macht in Skandinavien neuerdings auch Schweden Nägel mit Köpfen und verbannt den Verbrenner ab 2030 aus den Verkaufsräumen der Autohäuser. Norwegen und Dänemark sind bereits vorangegangen, China ebenso, weitere Länder haben ähnliche Ausstiegsszenarien in der Schublade. Und während die Politik hierzulande weiterhin unterschwellig signalisiert, das alte Geschäftsmodell der deutschen Autoindustrie bis zu deren klinischem Tod zu protegieren, werden die ersten Model 3 von Tesla für den europäischen Markt ausgeliefert. Die Revolution auf den Straßen ist bereits in vollem Gange – ohne dass es unsere Industrie großartig zu jucken scheint. Der mickrige eGolf mit seinen 280 Kilometern Reichweite und der in die Jahre gekommene i3 von BMW werden Teslas Siegeszug nicht aufhalten und spätestens 2020 kommen die Chinesen.

Aber wir diskutieren weiterhin mit Hingabe darüber, wie man nun irgendwelche Studien zu interpretieren hat und ob der Husten von Oma Erna gefährlich ist und Opa Walters Euro 5 Diesel daran einen Anteil hat und folglich stillgelegt und nach Rumänien verkauft gehört. Stillgelegt ja, nach Rumänien verkauft nein und wegen Oma Erna möglicherweise und wegen Oma Ernas Enkeln allemal. Und, lieber Walter, bitte keinen „sauberen“ Benziner nachkaufen, sondern einen Stromer!