Wir brauchen eine Böllerkommission!

Die dem Deutschen heilige Silvesterböllerei ist in Zeiten von Feinstaubplagen, Klimawandel und winterlichen Inversions-Wetterlagen nicht mehr lange zu halten. Der Böllerausstieg wird kommen – und das schon bald.

Aber – oh weh – in Deutschland kann man nicht einfach so aus einer Risiko- oder Schadtechnologie aussteigen. Es muss vorher eine Abwägung aller Interessen stattfinden. Alle beteiligten Lobbyisten müssen zunächst gepflegt hinter verschlossenen Türen eine Runde Schafkopfen und erst wenn das hohe Gremium dann eine Empfehlung an die Politik ausgesprochen hat, ist diese ermächtigt, den Ausstieg zu vollziehen. Oder eben nicht. Es wäre ja auch noch schöner, wenn gewählte Regierungen einfach mal so regieren würden so ganz ohne Kommissions-Voodoo.

Setzen wir also zum Zwecke des avisierten Böllerausstiegs, der unbedingt sozial verträglich und nicht Brauchtum-verletzend abgewickelt werden muss, eine paritätisch und ausgeglichen besetzte Kommission ein. Wir nominieren sogleich alle Vertreterinnen und Vertreter wichtiger Interessengruppen, die von Böllern, Raketen und Schwärmern irgendwie tangiert wären.

Da hätten wir zum Beispiel:

  • Den 2. Vorsitzenden des Dackelzüchtervereins, selbstverständlich ein glühender Befürworter eines schnellen und konsequenten Böllerausstiegs ohne Ausnahmen und Ausgleichsmaßnahmen. Hunde seien die heimlichen Leidtragenden der alljährlichen Knallerei und deshalb plädiere der Verein mindestens für eine Abschaffung der Hundesteuer und eine Gegenfinanzierung durch höhere Mehrwertsteuern auf Feuerwerkskörper.
  • Die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Handchirurgen argumentiert wiederum klar gegen einen Böllerausstieg, da unter ihren Mitgliedern sonst Arbeitslosigkeit und Existenznot drohe, wie sie der Deutschen Feuerwerkszeitung erst gestern im Interview sagte.
  • Die Präsidentin des Kulturvereins “Feuerwerk und deutsche Identität” aus Freilassing pflichtet ihrer Kollegin vom Chirurgenverband bei und erinnert daran, dass die zuletzt wieder eingeschlafene Leitkulturdebatte auch unter Würdigung des in Deutschland seit den Hunnenkriegen verwurzelten Silvesterfeuerwerks geführt werden müsse. So ein Stück deutsche Kultur dürfe nicht einfach so “wegverboten” werden, da die Politik sonst Populisten in die Hände spielen würde.
  • Widerspruch kommt von Herbert Taubmann, dem Ehrenvorsitzenden des Verbandes deutscher Hörgeräteträger. Er warnt eindringlich vor der zunehmenden Schwerhörigkeit gerade unter Jugendlichen Feuerwerksfreunden. Neben einem Ausstieg plädiert er dafür, die Industrie in die Verantwortung zu nehmen, die die nachträgliche Umrüstung auf geräuschlose Böller bezahlen und anbieten müsse.

Die Kommission wird nach ihrer Einberufung in der Neujahrsnacht und überstandenem Kater dem Vernehmen nach bereits im Januar ihre Arbeit aufnehmen. Empfehlungen an das zuständige Innenministerium könnten dann im Dezember erfolgen, am Besten nach Weihnachten, damit die Erkenntnisse möglichst im kommenden Silvesterböllernebel verschwimmen und wieder ein Jahr Zeit gewonnen ist und die Politik nichts entscheiden muss.

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