Reichtum ohne Vision

Foto oben: Schaeffler-Standort in Schweinfurt. Klinker, Schornstein, Fahnen – visionär geht irgendwie anders.

Spätestens seit die SPD sich am Wochenende mit einem stramm linken Papier von der Intensivstation der deutschen Politik zurückgemeldet hat und dann jüngst – vorhersehbar – auch noch ankündigte, die sozialen Wohltaten dadurch finanzieren zu wollen, den sogenannten „Superreichen“ ein Teil ihres Reichtums über Steuern und Abgaben abspenstig machen zu wollen, ist sie wieder da in Deutschland: Die gute, alte Neiddebatte. Die „da oben“ hätten ihren Reichtum entweder nicht selbst verdient oder andere deswegen ausgebeutet. Die Klaviatur der Vorurteile der letzten zweihundert Jahre wird diesbezüglich gleich einmal komplett rauf und runter gespielt.

Da lässt der Aufschrei bei der nur noch begrenzt einflussreichen konservativen Presse hierzulande natürlich nicht lange auf sich warten. In mehreren Artikeln und einem Kommentar forderte uns DIE WELT demonstrativ auf, wir sollten unseren „Superreichen“ doch bitte dankbar sein, so wie es die Briten und Amerikaner auch täten. Schließlich hätten wir jenen Unternehmern und Vermögenden einen Teil unseres heutigen Wohlstandes zu verdanken, der durch ihre Investments und wirtschaftlichen Erfolge zum Beispiel in Form von gut bezahlten Arbeitsplätzen der Gesellschaft zugute gekommen sei.

Abgesehen davon, dass ein Hartz-IV-Empfänger beim Lesen jener Zeilen und Argumente zwangsläufig Brechreiz bekommen muss, möchte ich mich ebenfalls deutlich von dieser Lesart absetzen. Allerdings aus anderen Gründen als Sie es jetzt auf die Schnelle vielleicht annehmen werden.

Ich bin einigen sogenannten „Superreichen“ tatsächlich gedanklich in Dankbarkeit verbunden. Das betrifft jedoch ausnahmslos Millionäre und Milliardäre anderer Länder – vornehmlich aus den USA, Großbritannien und China. Und diesen Respekt zolle ich auch nicht unbedingt wegen der sozialen Ader jener Großunternehmer. Sicher begrüße ich die sozialen und ökologischen Spenden eines Bill Gates oder eines Richard Branson. 

Es fasziniert mich an ihnen jedoch etwas ganz anderes. Diese Milliardäre nutzen ihren Reichtum, um Visionäres Realität werden zu lassen. Denken Sie an Elon Musk, der die Mobilität auf der Erde (Tesla) unter der Erde (The Boring Company), im Weltall (SpaceX) revolutionieren will und dies bereits teilweise erreicht hat. Ähnlich agieren der noch reichere Amazon-Chef Jeff Bezos oder Google-Mitgründer Larry Page, der beispielsweise in Flugtaxis investiert. 

Deutsche Superreiche tragen Pelzmäntel spazieren und wetten auf Rennpferde

Sicher ist es etwas klischeehaft, aber es ist ein sehr deutlicher Eindruck, den ich im Kontrast zu oben beschriebenen Aktivitäten auswärtiger Milliardäre von der deutschen „High Society“ gewonnen habe. Frau Schaeffler beispielsweise fällt vor allem durch ihre Pelzmäntel auf. Die schwerreiche Aldi-Familiendynastie zieht es vor, überhaupt nicht aufzufallen und fällt schon allein dadurch auf – durch Lethargie und so eine Art Gegenteil von unternehmerischem Patriotismus. Damit findet sich die Aldi-Familiendynastie in guter beziehungsweise weniger guter Gesellschaft. Man könnte die Liste sicher noch fortsetzen.

Nun wäre es wie bei vielen anderen Erkenntnissen auch hier falsch, alle deutschen Vermögenden über einen Kamm zu scheren. Allerdings fällt es mir einfach schwer, mich zu erinnern, wann ein deutscher Investor zuletzt mit einem visionären Konzept vorgeprescht ist. Allenfalls den BMW-Erben Klatten und Quandt kann man bei ihren Investments ein gewisses Maß an innovativem Denken bescheinigen. Aber wo waren die vermögenden BMW-Erben oder andere deutsche Milliardäre beispielsweise, als man tatenlos zugesehen hat, wie das deutsche „Unicorn“ Kuka Robotics vom chinesischen Haushaltsgeräte-Konzern Midea geschluckt wurde? Hätte da nicht mal ein „weißer Ritter“ aus den Reihen der hiesigen Wirtschaftselite auftauchen können?

Nein, meine Dankbarkeit gegenüber den oberen Einhundert dieses Landes hält sich aus geschilderten Gründen in Grenzen und ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass diesen Herrschaften – mit Verlaub – unsere Dankbarkeit irgendetwas bedeuten würde. Man muss deshalb nicht gleich in die Sozialneiddebatte eingreifen. Ich gönne Frau Schaeffler ihre Pelzmäntel und den Damen und Herren ihr Aachener Pferderennturnier. Aber ich konzentriere meine Bewunderung dann doch lieber auf die Ideen und Wagnisse der Elon Musk‘s dieser Welt. Bitte haben Sie dafür Verständnis.

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