Abzocke mit Coolness-Faktor

Foto oben: Ruhe vor dem (An-)Sturm – so sah die Five Guys Filiale am Kurfürstendamm kurz vor ihrer Eröffnung aus

In Berlin, am einstigen Prachtboulevard Kurfürstendamm im pulsierenden Zentrum der “City West” hat vor einigen Wochen eine der ersten deutschen Filialen der wohl angesagtesten US-Burgerkette “Five Guys” eröffnet. Die Hamburgerbraterei, die sich mit einigen hübschen PR-Geschichten ein trendiges Image erarbeitet hat, steigt in den deutschen Fastfood-Markt eigentlich viel zu spät ein. Denn die große Burger-Welle, auf der in den letzten Jahren Ketten wie “Hans im Glück”, “Peter Pane”, “Jim Block” und natürlich auch die Platzhirsche McDonalds und Burger King nach oben gespült wurden, gilt eigentlich als abgeebbt. Aber wenn man einen so prominenten und angesehenen Politiker wie Ex-US-Präsident Barack Obama als bekennenden Fan und damit Werbebotschafter hat, kann in Deutschland eigentlich nichts mehr schief gehen. Erst neulich besuchte der frühere Hausherr des Oval Office privat unser Land und dabei trat die noch immer ungebrochene Obama-Hysterie hierzulande wieder offen zu Tage. Ob jetzt aus dieser Obama-Hysterie auch eine Five-Guys-Hysterie wird – dieser Frage wollte ich persönlich auf den Grund gehen.

Papiertüten in der Farbe von Erbrochenem, brüllende Angestellte

Schon in der monatelangen Bauphase am avisierten Berliner FG-Standort konnte man gut erkennen, auf welche Art von Kunden und Angestellte es der Newcomer unter den deutschen Bulettenküchen abgesehen hat: “Bewirb dich bei Jenny über WhatsApp” war da an einer Plane vor dem Bauzaun zu lesen und man kann sich kaum vorstellen, dass auf diese Art Sterneköche oder erfahrene Systemgastronomen den Weg zu Five Guys gefunden haben. Das war natürlich auch nicht beabsichtigt, denn das Restaurant wirkt fast schon bis zur Selbstironie überzeichnet billig. Gästen wird schon am Eingang der Eindruck vermittelt, dass man sie eigentlich nicht braucht. In typischer US-Manier wird man erstmal von einer monströsen Fön-Lüftungsanlage durchgepustet und findet sich dann sogleich in einer langen Schlange an der Kasse wieder. Auf Multimedia wird bewusst verzichtet. Keine Animationen auf Bildschirmen, die ausgesprochen schmale Speisekarte wirkt wie am Laserdrucker auf DIN A3 ausgedruckt und direkt unter dem für 6 Euro angepriesenen Milchshake wird fürsorglich gefragt: “Wie wäre es mal mit Bacon?”. Abgesehen davon, dass Milchshakes mit Bacon nicht sonderlich gut schmecken, fragt man sich schon, warum ein Milchshake im coolen Five Guys doppelt so teuer sein kann wie im uncoolen McDonalds. Halten Sie sich fest: Die kalten Milchgetränke gehen weg wie warme Semmeln – ich bin selbst darauf reingefallen.

Wenn man seinen Obolus für Speis’ und Trank an der Kasse entrichtet hat, bekommt man einen Zettel mit einer Nummer darauf, um dann bevorzugt in English angebrüllt zu werden: “Order Number Sixty Six, please!”. Immerhin, man hat für die geschröpften Gäste noch ein “bitte” übrig. Ob es das ist, was Obama so an Five Guys schätzt?

Und dann sind da noch diese Papiertüten in der Farbe von Erbrochenem, in denen man seinen Burger immer erhält, auch wenn man einen der wenigen Sitzplätze im Lokal ergattert hat und nicht “To Go” unterwegs ist.

Im Laden stehen dann noch Kisten mit Erdnüssen und allerlei Waren herum. Als ich mich murmelnd fragte, ob sich FG kein Warenlager leisten kann, wurde ich von einem offenbar stammgästelnden Kunden belehrt, dass das Deko sei. Ich Banause!

16 Euro für das Menü

Ich habe natürlich nicht nur die Milchshakes probiert, sondern auch einen Burger degustiert. Man kann es wirklich nur “degustieren” nennen, dann mit Fritten und einem Softdrink hat mich dieser gewöhnliche Cheeseburger tatsächlich gute 16 Euro gekostet. Allerdings inklusive des “bitte”. Geschmacklich konnte ich – Burger-Sommeliers mögen es mir nachsehen – keinen Unterschied zur einschlägigen Konkurrenz feststellen. Den besten Burger habe ich immer noch in den USA bei Wendy’s gegessen und zwar für einen umgerechnet viel günstigeren Preis.

Nun hat das hier aber auch seine gute Seite. Ich bin vorerst von der Five Guys Manie geheilt und kann ruhigen Herzschlages am Restaurant vorbeigehen, wenn die Schlange in der Mittagszeit mal wieder bis vor die Eingangstür reicht.