Klimaziele sind noch kein Klimaschutz

Während draußen im grauen und wieder einmal viel zu milden Dezember der Klimawandel ungebremst weitergeht, flimmern in den weihnachtlich geschmückten Wohnzimmern teils dramatische Bilder von der diesjährigen Klimakonferenz “COP25” über die Bildschirme. Sie zeigen übernächtigte Verhandlungsführer, leere Flure des Konferenzgeländes, auf dem Boden schlafende Journalisten, in überfüllten Zügen ernüchtert abreisenden Klimaaktivistinnen und einen spektakulär im Chaos versunkenen Gipfel am Rande des völligen Scheiterns. Am Ende rettete wieder einmal nur ein lächerlicher Minimalkonsens die gesamte Veranstaltung.

Greta auf dem Boden der Bahn-Tatsachen

Lassen Sie den hier verlinkten Tweet von Greta Thunberg ruhig einmal auf sich wirken, falls Sie ihn noch nicht kennen. Es lohnt sich.

Ich bin weder Greta-Fan noch Greta-Hater. Mir war und ist der Hype um ihre Person suspekt. Aber dieser Tweet hat für mich das Potenzial zum Putlitzer-Preis. Das stimmungsvolle Foto, das von ihr sicher nicht beabsichtigte Deutsche-Bahn-Bashing, ihr erschöpfter und zugleich hoffnungsvoller Blick aus dem Fenster, das “Wieder-auf-Tuchfühlung-gehen” mit ihren Wurzeln in der schwedischen Heimat. Es wirkt fast schon wie die letzte Szene aus einer Star-Wars-Episode, in der die dunkle Seite der Macht gewonnen hat, aber man weiß als Zuschauer schon, dass die Greta-Jedis zurückkommen werden …

Gleichzeitig ist die Lage jenseits von Twitter- und Jedi-Romantik ausgesprochen düster. Beim Klimaschutz bewegt sich nichts und wir emittieren unterdessen mehr CO2, anstatt welches einzusparen. Das klimaschädliche Wirken des Menschen hat sich in den letzten zwei Jahren allenfalls verlangsamt, nicht aber umgekehrt. Die energischen Klimaaktivisten haben schon recht, wenn sie sagen, dass uns die Zeit davon läuft.

Wir verschwenden Zeit, die wir gar nicht mehr haben

Und es ist eigentlich noch viel schlimmer. Überall dort, wo in den letzten Wochen über Klimaschutz geredet wurde, ging es nicht primär um diesen, sondern um Klimaziele. Das war in Brüssel neulich so, als Ursula von der Leyen ihren neuen “Green Deal” für Europa vorstellte, und das ist auch in Madrid bei der COP25 so gewesen. Klimaziele sind aber kein Klimaschutz, sondern nur semi-verbindliche Absichtserklärungen. Das mag nettes Accessoire sein – mehr nicht. Und für solchen Firlefanz ist keine Zeit mehr.

Sind die Klimakonferenzen in dieser Form noch sinnvoll?

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Ich plädiere deshalb dafür, wieder zu der Weisheit “Tue Gutes und rede darüber” zurückzukehren. Denn derzeit redet die Weltgemeinschaft ja nur über Gutes, aber tut es nicht. Das ist fatal und muss beendet werden. Sonst kommt der Klimaschutz für das Klima zu spät.