Wenn in Deutschland nichts mehr geht

Noch vor Monaten wurde die Nachricht, dass der US-Elektroautobauer Tesla ausgerechnet in der Brandenburger Einöde seine erste europäische Gigafactory bauen will, als Sensation gefeiert. Auch ich habe mich seinerzeit ausführlich dazu geäußert und erklärt, warum diese spektakuläre Investition in Deutschland ein Glücksfall ist. Die Fabrik der Kalifornier, die so etwas wie ein Herzschrittmacher für die kränkelnde deutsche Autoindustrie werden könnte, elektrisierte wochenlang buchstäblich die deutsche Politik und Wirtschaft.

Leider hat Tesla-Chef Elon Musk mit seinen ambitionierten Plänen, das Werk bereits im Spätsommer 2021 einzuweihen, die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Während Tesla mit Landkauf, Verträgen und zuletzt bereits mit notwendigen Flurbereinigungsarbeiten vor Ort begonnen hatte, überkam die Menschen vor Ort die berüchtigte „German Angst“.

Anwohner gingen in Grünheide, dem zukünftigen Standort der „Giga Berlin“ genannten Fabrik auf die Straße. Wasserwerke beklagten einen vermeintlich irrationalen Verbrauch der kommenden Tesla-Werke und man sah Brandenburg deswegen bereits austrocknen. Und jetzt ließ die „Grüne Liga“ auch noch die Rodungsarbeiten vor Ort stoppen mit Verweis auf ein anhängiges Gerichtsverfahren in Sachen Umweltverträglichkeit.

Umweltschützer kämpfen gegen Ökopioniere

Das muss man sich mal vorstellen: Da revolutioniert ein Mann namens Elon Musk mit seiner Firma Tesla binnen weniger Jahre aus dem Nichts den Automobilsektor, erfindet und entwickelt mit Ökostrom hergestellte Elektroautos anstatt Benzindreckschleudern, wie sie aus deutschen Autofabriken kommen, und dann stoppt ausgerechnet die „Grüne Liga“ die Ökopioniere von Tesla. Was kommt als nächstes? Dass die Deutsche Umwelthilfe Tesla wegen Abgasmanipulation verklagt?

Ja, es müssen für die Tesla-Fabrik viele Bäume weichen. Ja, auch mit Ökostrom produzierte und betankte Teslas haben einen ökologischen Fußabdruck. Aber wer von den Tesla-Kritikern hat bitte eine kluge Alternative zur schnellen Elektrifizierung des Individualverkehrs? Kommen jetzt etwa wieder die Wasserstoffmärchen oder gar Fantastereien von Atomautos?

Warum sind wir nicht einfach mal stolz und froh, Teil dieser Verkehrswende zu sein. Warum freuen wir uns nicht über die vielen kommenden Arbeitsplätze und einen völlig neuen Hochtechnologiestandort vor den Toren des weitgehend deindustrialisierten Berlins?

Gegen alles, für nichts

Die fast schon hasserfüllte Kritik an der Brandenburger Tesla-Fabrik offenbart leider noch ein tiefer liegendes deutsches Problem mit Großprojekten – selbst mit solchen, die ganz offensichtlich dazu angetan sind, unsere Welt ein stückweit besser zu machen. Wir Deutsche sind inzwischen gegen alles, aber für nichts. Windräder töten Vögel, Tesla-Fabriken Brandenburger Kiefernplantagen („Wald“ kann man das nämlich eigentlich gar nicht nennen) und Mobilfunkmasten verbreiten unsichtbare Killerstrahlung. Aber im nächsten Moment beklagt man sich dann wieder über langsames Internet, manipulierte Diesel und teuren Kohlestrom.

Wenn das so weiter geht, werden wir uns bald darüber wundern, dass in Deutschland niemand mehr investieren will. Vor allem auch die guten und nachhaltigen Investments könnten dann ausbleiben. Wenn Tesla in China in knapp einem Jahr quasi geräuschlos eine Gigafactory hochziehen kann und man in Deutschland schon aufheult, wenn auf der Baustelle die erste Motorsäge angeworfen wird, baut Tesla eben zukünftig woanders. Und die deutsche Wirtschaft glänzt dann nur noch mit Drogeriemarktketten und Currywurstbuden. Protestieren und klagen wir ruhig weiter, die Vierte Industrielle Revolution findet dann ohne uns und anderswo statt.