Bienen schützt man nicht mit Hashtags

Foto oben: Ein blühendes Rapsfeld. Auch eine Monokultur, aber im Vergleich zum englischen Rasen der Vorstädte nützlich für Bienen.

Es ist Mai, draußen grünt und blüht es – jedenfalls dort, wo nicht gerade der Bodenfrost oder die virulente Trockenheit zugeschlagen hat. Passend dazu haben wir am heutigen Tag, dem 20. Mai, den Welttag der Bienen. Und wie immer in solchen Fällen ist das kein Ehrentag, an dem man sich für die fleißigen Bienchen und den von ihnen produzierten Honig bedankt. Vielmehr möchte man – soweit das hehre Ziel – auf die missliche Lage der umtriebigen Insekten hinweisen.

Seit Jahren schon sorgen sich Naturschützer insbesondere um den Bestand der ökologisch besonders schützenswerten Wildbienen. Aber auch gezüchtete Bienenvölker sind angesichts der mit Nachwuchssorgen und anderen Schwierigkeiten kämpfenden Imkerbranche in Gefahr. Diese Gefahren, die beispielsweise in Schädlingen, Insektengiften, Monokulturen in der Landwirtschaft und der immer weiter fortschreitenden Flächenversiegelung bestehen und damit sehr vielschichtig sind, bekämpft man aber nicht mit Hashtags in den sozialen Medien.

Doch genau das scheinen sich viele ökologisch bewegte Twitter-Nutzer einzubilden, diesen Eindruck hatte ich jedenfalls beim heutigen Konsum meiner Timeline. Dabei ist gegen den Weltbienentag und dazu passende Hashtags grundsätzlich nichts einzuwenden. Es wäre aber wichtiger, wenn sich die hashtaggenden aber dann Langnese-Honig aus einer Mischung aus „Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ kaufenden Verbraucher mal bienenfreundlicher verhalten würden. Und dazu muss man gewiss kein Bienenvolk auf der Terrasse züchten. Es genügt schon, wenn man ab und zu mal ein Glas echten, heimischen Imker-Honigs kauft, der dann natürlich ein paar Euro mehr kostet, als der Supermarkt-Honig aus Paraguay.

Englischer Rasen tötet deutsche Bienen

Noch besser wäre es, wenn alle twitternden Möchtegern-Bienenschützer ihre oftmals bienenschädlichen Gewohnheiten ablegen würden. Das kann man dieser Tage wieder in den Vorgärten beobachten, wo im Wonnemonat Mai der Rasen sprießt und – wenn man ihn wachsen lassen würde – in wenigen Wochen zu einer von Bienen, Schmetterlingen und Hummeln bevölkerten, duftenden Blumenwiese heranwachsen könnte. Doch was passiert stattdessen? Kaum ist die erste Butterblume erblüht, steht der Hausbesitzer, der eben noch einen Tweet zum Weltbienentag abgesetzt hat, mit dem monströsen Benzin-Rasenmäher bereit und macht aus dem Biotop in Minutenschnelle eine ökologisch tote Graswüste. Manchmal sieht man im Frühjahr sogar ganz penible „Gartenfreunde“, die jedem Löwenzahn gleich mit dem Unkrautstecher zu Leibe rücken. Der „englische Rasen“, getrimmt auf wenige Zentimeter, gilt überall als erstrebenswert – genauso wie der Schutz der Bienen. Nur verhindert das Eine maßgeblich das Andere, genau wie auch die um sich greifende Mode, einfach buntes Geröll aus dem Baumarkt in den Vorgarten zu schottern, um nicht mehr alle 10 Tage Rasen mähen zu müssen.

Mit der gewonnenen Zeit kann man dann häufiger der Tochter „Biene Maja“ als Gute-Nacht-Geschichte vorlesen und ihr die heile Bienenwelt der farbenfroh illustrierten Kindererzählungen vorgaukeln, die man selbst vorher mit dem Rasenmäher zerstört oder geschottert hat.

Sie können einem wirklich leid tun, die Brüder und Schwestern der Biene Maja!